Lebensgeschichten

LEBENSGESCHICHTEN

Auf dieser Seite bieten wir Euch die Möglichkeit, anderen Eure Erfahrungen oder
Lebensgeschichten zur Verfügung zu stellen. Diese Berichte sollen anderen Mut geben,
den Weg in die Trockenheit zu gehen. Wir würden uns über eine rege Beteiligung Eurerseits sehr freuen, denn
umso mehr Erfahrungen gesammelt werden können, desto mehr kann Nutzen
daraus gezogen werden.

Bitte sendet mir Eure Lebensgeschichten per Mail , damit ich Sie dann
schnellstmöglich auf dieser Seite veröffentlichen kann.
Auch möchte ich mich bei denen recht herzlich bedanken, die mir Ihre Lebensgeschichte schon zugesendet haben.
Vor allem auch für die Offenheit und das Vertrauen.

Einfach auf den jeweiligen Namen klicken, schon kommt ihr zur Lebensgeschichte.


Erlahans         Aloha      Toni       Erwin      Edith


Bitte sende uns auch deine Geschichte: Es ist eine Bereicherung für uns alle. DANKE ! 

Von Renate

Renate eine dankbare, trockene Alkoholikerin.

15.04.2002 der erste trockene Tag.

Ich war, wie schon oft vorher, in der Psychiatrie. Eine ganze Woche hatte ich durchgesoffen. Es ging mir schlecht, weniger körperlich, mehr psychisch. Existenzangst hatte mich fest im Griff. Frisch geschieden, musste ich für Miete und Liesing Raten selber aufkommen. Mein damaliger Chef drohte mir mit Kündigung, wenn er mich noch einmal betrunken erwischt. Aber auch das konnte mich nicht davon abhalten wieder zur Flasche zu greifen. So bin ich wieder in der Psychiatrie gelandet. Am nächsten Tag sagte mir ein Sozialarbeiter das die AA ein Info-Meeting halten. Er sagte ich soll mir das anhören. Von AA hatte ich keine Ahnung aber ich ging hin. Vielleicht ist es ein Strohhalm. Ich war zu nervös um mir alles zu merken was da gesprochen wurde. Sie sagten mir am Freitag gibt es in Wels _ Vogelweide ein Meeting und sie würden sich freuen, wenn ich kommen würde. Zwei Tage später wurde ich entlassen und am Freitag war ich im Meeting. 19.04.2002 Mein erster Schritt in ein Leben ohne Alkohol.
Lg. Renate Gute 24 Stunden

 

Von Ingrid

Meine persönliche Erfahrung mit Rückfall

Am Anfang als ich erkannte das ich ein Alkoholproblem hatte ging ich in eine Selbsthilfegruppe. Die längste Zeit die ich damals schaffte trocken zu bleiben, waren 8 Monate, sonst regelmäßig in 3 bis 4 Wochenabständen bis ich wieder zur Flasche griff. Das ging 2 Jahre so dahin bis ich es aufgab und in geregelten Abständen weiter trank. Ich bin der sogenannte Quartals- oder Epsilon – Trinker und von daher sehe ich es heute, das ich damals Trinkpausen eingelegt habe und es keine Rückfälle waren. Es folgten 6 Jahre ohne Selbsthilfegruppe, mein Alkoholkonsum steigerte sich bis hin zum täglichen trinken. Im letzten Jahr meiner Alkoholiker Laufbahn war ich einige Monate im Krankenstand und wurde dann arbeitslos. Aus der Quartalstrinkerin wurde eine Spiegeltrinkerin und Alkohol trank ich den ganzen Tag über. Es dauerte nicht lange und ich war körperlich und seelisch an meinem Ende angelangt. In einem wachen Moment wurde mir bewusst, was aus mir geworden ist und ich wusste ich muss jetzt was unternehmen sonst gehe ich drauf dabei. Ich wollte Leben, was immer auch das war und nicht dahinvegetieren. Ich hab mich fürs Leben entschieden und suchte mir Hilfe in der Suchtberatung vom Land OÖ und ging wieder in die Selbsthilfegruppe. Mein Suchtberater hat mir den Aufenthalt in der Suchtklinik im damaligen Wagner Jauregg Krankenhaus empfohlen. Selbsthilfegruppe war mir zu wenig und ich wollte es diesmal anders angehen. Ich habe mich für die Tagesklinik entschieden, da konnte ich jeden Tag heim fahren. Für mich war es die richtige Entscheidung. Rückfall hatte uns schon in der ersten Woche beschäftigt weil es da schon welche gab, die wieder tranken oder gar nicht mehr gekommen sind. Das erste das wir hörten, das Rückfall keine Schande ist. Wichtig ist nur sofort was dagegen zu tun. Ich bin gegen mancher Meinung das Rückfall dazugehört, er kann passieren aber gehört nicht dazu. Jeder Rückfall kann auch der letzte sein, das ist mir sehr bewusst geworden. Wir hörten wie wichtig es ist nach der Therapie in eine Selbsthilfegruppe zu gehen oder weiter in eine Suchtberatung. Vorher zu reden wenn es akut ist kann sehr helfen, das Verlangen geht vorbei nach einer Zeit. Es geht darum vorher zu überlegen was ich mache, wenn der Suchtdruck wieder stark da ist und wie gehe ich damit um? Das kann für jeden was anderes sein, eine Telefonnummer von einem Freund aus der Gruppe oder sonst eine Ablenkung aus der Situation, Spazieren gehen, Sport zb. Der sogenannte Notfallkoffer. Ich gehe gerne in die Selbsthilfegruppe und rede von dem was mich belastet, das hilft mir sehr. Die 5 Wochen in der Tagesklinik waren der Anfang in ein neues Leben und ich hatte wieder eine Tagesstruktur, einen geregelten Ablauf der sehr wichtig für mich ist. Ein halbes Jahr ging das gut und es ging mir wirklich gut. Ich war motiviert und ging die Arbeitssuche wieder voll an. Nach vielen Absagen, hatte ich dann eine Stelle in Aussicht die mir sehr gut gefallen hat und die Chancen waren mehr als gut das ich diese Stelle bekomme. Auf die Zusage musste ich waren und Ende des Monats melden wir uns bei Ihnen haben sie gesagt. Das warten darauf hat mich aus der Bahn geworfen und es kamen Gedanken, was mache ich denn wenn das nichts wird? Zukunftsängste, Geldsorgen usw. das Kopfkino war voll im Gange. Das Ende des Monats kam und ich hatte noch keine Zusage, ich wartete noch 5 Tage und dann wurde es mir zufiel. Ich wollte einfach nicht mehr denken, aus dem Gedankenkarussell raus kommen, Festplatte löschen. Ich fuhr ins nächste Geschäft und besorge mir zwei 6er Träger Bier, zuhause habe ich dann sofort angefangen zu trinken. Nicht langsam sondern schnell, ich wollte trinken bis zum umfallen und besorgte mir noch mehr. An meinen Notfallkoffer habe ich nie gedacht. Am nächsten Tag am frühen Vormittag erhielt ich einen Anruf „Gratuliere Sie haben die Arbeit“ hörte ich von der Stimme am Telefon.
Das hat eingeschlagen wie eine Bombe, mir wurde sofort bewusst was ich getan habe. Ich hätte nur einen Tag warten müssen. Aus dieser Situation habe ich sehr viel gelernt und ich war wirklich geschockt über meine Aktion und das ich gleich wieder voll eingestiegen bin. Ich konnte sofort wieder aufhören, habe die Situation analysiert und mich intensiv mit mir beschäftigt. Es hat mir gezeigt wie ich mit Belastungssituationen umgehe, mit Ängsten, mit Ärger und Konfliktsituationen, damit konnte ich nun arbeiten. Es ist harte Arbeit sich mit sich selber zu beschäftigen und sich zu erkennen. Sich anzunehmen wie man ist, mit all seinen Fehlern und Schwächen. Ich erkannte wer ich bin und lernte „ Ja“ zu mir zu sagen. Es war für mich eine sehr lehrreiche Zeit und ist es heute noch aber sehr notwendig. Es gab aber auch angenehme Situationen die für mich eine Gefahr waren, Betriebsausflug, Feiern, Familienfeste, Grillabende im Sommer, Gastgärten, Urlaub.... Ich ging diesen Situationen bewusst aus dem Weg im ersten Jahr und nach meinem Rückfall. Wenn es sich gar nicht vermeiden lies, habe ich die Situation verlassen wenn es mir nicht gut ging dabei. Selbst beim Einkaufen ging ich nicht durch die Gänge mit alkoholischen Getränke. Bei mir zuhause gibt es keinen Alkohol, auch nicht für Gäste. Der Freundeskreis ändert sich da sehr schnell. Es ist ein einüben das seine Zeit brauch bis es leichter wird und normal wird. Ich habe mir auch wieder Hobbys gesucht, bei mir wurde es mit der Zeit das Radfahren, Linedance und mein Garten. Das macht mir alles große Freude und gibt mir wieder neue Kraft. Der Ausgleich den ich brauche um das Gleichgewicht zu halten zwischen Belastung und Entlastung. Ich versuche da in der Waage zu bleiben. Selbsthilfegruppe ist ein ganz wichtiger Teil geworden in meinem Leben. Dort kann ich reden was mich belastet, zuhören oder auch geben. Gerade wenn es mir gut geht brauche ich diese Gruppe, Alkoholismus ist auch eine Krankheit des Vergessens. Ich habe viel gelernt in den letzten 4 Jahren die ich nun trocken sein darf und aus meinen Rückfall. Bin unendlich dankbar für mein neues Leben das ich als Geschenk empfinde. Es sind kleine Schritte, oft mühsame gewesen die mich da hinbrachten wo ich heute stehe. Ich gehe nun sehr achtsam mit meinem Leben um und mit meiner Trockenheit. Rückfall beginnt im Kopf und das gilt es zu erkennen.
Rückfall muss keine Katastrophe sein, es gibt Wege daraus.
Ich lebe im Heute, jeder Tag bringt genug Anforderungen mit sich. Gestern ist Vergangenheit – Morgen Zukunft
Achte gut auf diesen Tag

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