Danijel

Mein Name ist Danijel. Ich bin Alkoholiker

 

Als ich damals das erste Mal diesen Satz in einem AA-Meeting ausgesprochen hatte, wusste ich das ich “Angekommen“ war.

Kein Verstecken mehr. Endlich loslassen können. Nur sich selbst verpflichtet sein. Warum habe ich so lange damit gewartet…

 

Aber der Reihe nach. Ein AA-Freund hatte es einmal für sich gut zusammengefasst. “Ich war immer schon ein Suchtmensch“.

Diesen Satz konnte ich eins zu eins auf mich Anwenden. Ich hatte meine Süchte bzw. Suchtverlagerungen immer “nur“ auf Leistungsbezogene Tätigkeiten.

 

  1. Als gelernter Betriebselektriker “Hamsterte“ ich gerne ZA-Stunden (Zeitausgleichsstunden). Nicht weil ich diese Brauchte, sondern weil ich immer um eine Spur besser als “die anderen“ in “meiner Abteilung“ sein wollte. Am Schluss hatte ich so viel ZA und Urlaub aufgebaut, das ich vom Unternehmen Schriftlich ermahnt wurde, diese Endlich Abzubauen.

Das hinderte mich nicht daran, Auszustempeln und “schwarz“ weiterzuarbeiten. Oder auf dem Höhepunkt meiner damaligen Sucht, sogar im Büro zu übernachten und mir so den morgigen Anfahrtsweg in die Arbeit zu “Sparen“.

 

  1. Am Anfang, als Quereinsteiger, gab ich mich mit nur 400m Runden zufrieden. Wieder am Höhepunkt dieser 10-jährigen Suchtverlagerung (Ich arbeitete weniger, Betrieb dann mehr Sport), “musste“ ich dann vier Marathons in einem Jahr “Schaffen“ um im Verein als “Bester Athlet“ zu Gelten.

 

  1. Wieder als Quereinsteiger begann ich nun zu Theaterspielen (Um die Gelenke zu schonen und nicht wieder in die “Arbeitswut“ zurückzufallen). Spätestens im zweiten Jahr im Theaterverein, musste ich es wieder “allen Beweisen“. Gespielt wurde z.B. am Freitag (Prämiere) am darauffolgenden Samstag zwei Mal und am Sonntag. Ich trat also bei der Prämiere auf, machte die ganze Nacht durch und spielte am Samstag alle zwei Vorstellungen mit “Auszeichnung“. Damals war der Alkohol, vorzugsweisen Spirituosen, mein beliebtestes “Aufputschmittel“.

 

Ich könnte diese Liste noch beliebig weiter, in den Verschiedensten Bereichen, Ergänzen. Aber das Typische Suchverhalten an sich, ist für mich, heute zweifelsfrei erkennbar.

 

Summa summarum: Ich bekam viele Auszeichnungen. War Landes, Bundesmeister und sogar bei einer Europameisterschaft. Trotz der vielen Erfolge fühlte ich immer wieder eine Innere Leere, wen ich einen neuen “Meilenstein“ Erreicht hatte.

Heute, nach vielen 24h bei AA, weiß ich auch warum. Ich wollte immer ANDEREN Gefallen. Beweisen, dass ich es trotzdem kann, auch wenn viele nicht an meinen Erfolg geglaubt haben. Mein Enormer Geltungsdrang, ein Konstrukt aus meinen selbstgezimmerten, inneren Minderwertigkeitskomplexen.

Das dieses ganze “Spiel“ nicht ewig weitergehen kann, war mir insgeheim schon länger bewusst. So war es nur noch eine Frage der Zeit, bis irgendeine dieser Süchte, die Oberhand gewinnen würde. Ich habe zum Glück nie geraucht oder andere Chemische Substanzen eingenommen. Das hätte den Blick auf “den starken Mann“, der immer pflichtbewusst und verlässlich ist, stark getrübt. Aber als funktionierender Alkoholiker, das war was “anderes“. Und so begann langsam, aber sicher mein Absturz, ausgelöst durch meinen letzten Arbeitsplatz (Ich hatte bisher nur zwei langjährige Arbeitgeber in meinem Leben). Damals wollte ich nicht, ein für mich großes Problem, Ansprechen. Die Unzufriedenheit mit meinem damaligen Arbeitsplatz. Hier mache ich eine Ausnahme und nenne “das Kind beim Namen“. Mein Unwohlsein Aufgrund einiger “Kollegen“.

Um es mir mit ihnen nicht zu Verscherzen, machte ich gute Miene zum bösen Spiel und begann immer öfter und immer mehr zu Hause zu Trinken. Immer nach der Arbeit. Immer allein. So konnte ich dann meinen Groll und Wut in mich Hineinfressen. Ich wollte mir so, dass “Gute Gefühl von Früher“ zurückholen.

Um hier abzukürzen. Schlussendlich landete ich Wortwörtlich auf dem kalten Asphalt. Als ich wieder zu mir kam, sah ich einige Rettungssanitäter und mich geschart. Ich hatte einen “Entzugs Epi“ (Ein Epileptischer Krampfanfall, der durch das plötzliche Absetzen von Alkohol ausgelöst wird).

Warum ich diesen bekam? Ich hatte mich drei Wochen zuvor zur Körperlichen Entgiftung (Stationär) im Krankenhaus angemeldet. Und ich wollte da sicher nicht mit meinem 2 Promille Pegel Aufnehmen lassen. Ich wusste mittlerweile wie sich Körperliche Entzugserscheinungen Zeigen bzw. Anfühlen (Ich hatte bereits mehrere Krampfhafte Trinkpausen und Rückfälle). Am dritten Tag nach meiner begonnenen “Selbstentgiftung“ trat nun, zum ersten Mal, dieser “Entzugs Epi“ ein. Zwei weitere folgen dann kurz darauf, bis ich ein Beruhigungsmittel im Krankenhaus bekam. Das war dann mein Persönlicher Tiefpunkt. Vom Glänzenden, “Allmächtigen“ Kariere Menschen auf den “Nackten Asphalt“.

 

In weiterer folge durfte ich dann eine einmonatige Entgiftung Antreten.

Bei den dortigen Therapiestunden erfuhr ich auch zum ersten Mal das Alkoholismus seit 1978, eine Anerkannte chronische Erkrankung ist. Danach ging es zu einer dreimonatigen Therapie nach Salzburg. Der Körperliche Schaden war zwar schnell behoben, aber um Langfristig Trocken zu bleiben, brauchte ich etwas um mit “mir ins Reine zu kommen“ (Geistige “Konfrontation“ mit meinen Süchten durch das AA-Programm).

Dank der Anonymen Alkoholiker Gruppe(n), ist es mir heute möglich, in Freiheit zu Leben.

 

G24h

Danijel

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.