Thema

Anregung:

Kann für Meeting  als Tema genommen werden:

OLDTIMER – NET SAUFEN, NET STERBEN?

Ich bin sehr froh, dass ich glauben durfte, dass „sie“ trocken sind, als ich zu AA kam. So hatte ich auch keine Zweifel, als ich dann hie und da unter vorgehaltener Hand hörte: „Der ist schon 11 Jahre, die schon 12 oder gar 17 Jahre trocken.“ Ich nahm sofort ein Podest, stellte alle drauf um sie zu bewundern und zu kopieren. Langsam musste ich schmerzhaft erfahren, dass mir einer nach dem anderen wieder auf den Kopf fiel. Nach und nach kapierte ich, dass auch sie nur Menschen sind. Inzwischen war ich einige Jahre in AA und kam für mich zu der unbequemen Erkenntnis, dass an Eigenverantwortung kein Weg vorbeiführt. Ich lernte Unterschiede wahrzunehmen und langsam zu entscheiden, welche Art von Trockenheit ich anstrebe. Einfach nur trocken war mir zu wenig. Da gab’s noch mehr. Ich wusste, ich wollte und konnte mit Gottes Hilfe gesund werden. Ich kam für mich zu der Erkenntnis, dass es wenig mit Nüchternheit zu tun hat, mir alle Viertel bis halbes Stunden ein Milligramm Nikotin ins Gehirn zu knallen. Oder mich mit anderen legalen Substanzen sukzessive selbst zu zerstören. Nach einigen Jahren des Leidens hat mich unser liebender Gott auch davon befreit. Inzwischen war ein Jahrzehnt vergangen und ich draufgekommen, dass Oldtimer wohl noch mehr als nur Jahre nicht trinken bedeutet. Bill hat’s so beschrieben: „Der Oldtimer ist einer, der die Weisheit der Gruppenentscheidung respektiert, der nicht darüber gekränkt ist, dass man ihn abgewählt hat. Er hat ein gesundes Urteilsvermögen, das auf beträchtlicher Erfahrung basiert, und er ist bereit, still in einem Meeting zu sitzen und die weitere Entwicklung abzuwarten.“ (12+12 Seite 129). Da bemerkte ich ja noch ganz andere Regungen in mir. Wenn da etwas Ungewohntes oder Unübliches in Gruppe oder AA passierte, begann immer ein manchmal stummes, doch überwiegend mehr oder weniger lautes Ringen um die richtigen Worte. Weil, so geht das doch nicht!!! Ich merkte wie viel – natürlich berechtigte – Angst um AA noch tief in mir saß. Ich kapierte langsam, dass unser 3. Schritt nicht nur für mein Leben und meinen Willen Gültigkeit hat, sondern auch für die AA. Natürlich können sich auch ganze Gruppen irren. Es sind ja auch schon genug von der Bildfläche wieder verschwunden. Aber ich konnte und musste auch nicht wissen, was unser liebender Gott da wohl genau vorhatte.
Inzwischen sind 2 Jahrzehnte vergangen. Die Angst ist viel weniger geworden. Dafür habe ich einiges an Geduld und Liebe bekommen. Ein guter Tausch. Ich wünsche mir zusehends einfach echt zu sein, zu zeigen und zu erzählen, wie ich das Programm lebe und das Bewusstsein zu suchen, nicht das Maß der Dinge zu sein. Wenn ich heute über Bill’s: „Wenn irgendjemand irgendwo um Hilfe ruft, möchte ich, dass die Hand der AA ausgestreckt ist, denn: Ich bin verantwortlich.“ (Wie Bill es sieht Nr. 332) nachdenke, fühle ich mich auch verantwortlich. Ich weiß ich bin wichtig, denn ich bin ein Teil der AA. Aber ich bin genauso wichtig, wie alle anderen „Hände“. Ich habe nicht vergessen, dass ich einmal alte AA-Freunde auf ein Podest gestellt habe. Ich hatte ja auch selber meine Zeit, wo ich mich gemütlich darauf sonnte. Wenn ich heute so etwas bemerke, versuche ich schleunigst diesen Platz zu verlassen und zu vermitteln, dass ich ersetzbar und entbehrlich und nur für heute durch die Gnade Gottes trocken bin. Ich denke mir heute: „Nein, ich nicht mehr. Es gibt immer andere, die schon darauf warten.“ Und ich warte, wer als nächster oben landet. Inzwischen weiß ich, dass es möglich ist in AA 40, 50 oder mehr Jahre zufriedener Nüchternheit zu erleben. Ich wünsche mir für mich, dass ich auch noch ein ordentliches Stück nüchternes Leben geschenkt bekomme.

Habt inzwischen eine wertvolle Zeit,
Christian, Alkoholiker

„Aber von den Dingen, die uns wirklich sehr belasten, sprechen wir nicht.“ (12+12, S 52)

Nachdem ich schon einige Male auf mein Trinkverhalten angeredet worden war, hatte ich begonnen, überwiegend heimlich zu trinken, und wenn die Sprache darauf kam, mein Suchtproblem zu beschönigen. Das wurde richtig automatisch, sowohl vor mir selbst als auch vor den anderen. Wenn irgendwer das Wort „Alkohol“ in den Mund nahm, fühlte ich mich bedroht und hatte sofort eine Reihe von Rechtfertigungen parat, auch wenn es gerade gar nicht um mich ging. Dass da irgendetwas nicht stimmte, merkte ich erst viel später. Nach einer durchtrunkenen Nacht ergab sich im Laufe der Morgenstunden ein ehrliches Gespräch mit einer alten Freundin. Einige wenige Personen waren in meinem Umfeld ja doch noch übrig geblieben. In diesem Gespräch sagte ich ihr auch, dass ich Alkoholiker bin, dass ich ein Problem mit dem Trinken habe und eigentlich nicht mehr weiß, wie es weitergehen soll. Das war ein ganz kleiner Anfang zu meiner Krankheit zu stehen. Wieder einige Monate später tauchte ich langsam bei den AA auf. Ich setzte mich immer in eine stille Ecke und wartete bis es 21 Uhr wurde. Zum Reden war ich zu feig. Nur manchmal, wenn der Spiegel gerade passte, traute ich mich auch was zu sagen. Das Vorstellen mit: „Ich bin Christian, ich bin Alkoholiker“, war mehr als befremdlich. Ich war überzeugt, bei mir ist alles anders. Trotzdem kam ich immer wieder, weil ich spürte, es half mein Leben irgendwie auszuhalten. Nach und nach durfte ich akzeptieren, dass ich Alkoholiker bin. Durch das Darüber-Reden, durch das Vorstellen im Meeting, durch das Bekennen: „Ich bin Alkoholiker“ durfte ich mein Suchtproblem ganz langsam annehmen. Am Beginn der Zeit in AA war das Bewusstsein dieser Krankheit mit Versagens- und Unzulänglichkeitsgefühlen, Schuld, Angst und Scham besetzt. Durch das immer wiederkehrende Wiederholen und Üben mein „Ich bin“ mit dem Wort bzw. Bewusstsein „Alkoholiker“ zu sein, zu verbinden, wurde es langsam selbstverständlicher und nicht mehr so schrecklich wie am Anfang. Ich bemerkte, wie mir aus diesem Selbstverständnis in der Öffentlichkeit die Kraft erwuchs, in allerlei Situationen, in denen ich mit Alkohol konfrontiert wurde, zu meinem Suchtproblem zu stehen. Ich konnte immer öfter, immer leichter zu angebotenen Getränken „nein“ sagen und mich dabei nicht wie der letzte Arsch fühlen. Nach und nach wurde es genau so selbstverständlich, wie z. B. meine Schuhgröße.
Dass eine Sucht selten allein kommt, bemerkte ich schon bevor ich trocken wurde. Dass mich das auch zu stören begann, dauerte noch eine ganze Weile. Anfangs war alles besser als Trinken. Glücklicherweise ging ich weiter zu AA und lernte Menschen kennen, die dieselben Erfahrungen gemacht hatten. Ich lernte auch unser wunderbares Werkzeug des 5. Schrittes kennen. Ich fand Menschen, mit denen ich viel von dem was mich bedrückte und auch meine Suchtprobleme besprechen konnte. Ich begann an meiner ersten Inventur zu arbeiten und suchte mir einen Sponsor mit dem ich das alles besprechen konnte. Durch diese ersten Versuche bemerkte ich, wie sich nach und nach meine seelischen Krämpfe auflösten. Stück für Stück hatte ich nun begonnen, meine Vergangenheit, mein So-Sein kennen zu lernen und auch anzunehmen. „Aber von den Dingen, die uns wirklich sehr belasten, sprechen wir nicht. Gewisse peinliche und demütigende Erinnerungen sind nach unserer Meinung nicht für andere bestimmt. Sie bleiben unser Geheimnis. Niemand soll etwas davon erfahren. Wir möchten sie mit ins Grab nehmen.“ (12+12, Seite 52-53). Vor diesen Versuchen darüber zu reden, hatte ich vieles so wie im 12+12 beschrieben steht, erlebt. Genauso wie ich am Anfang in AA bemerkt hatte, dass durch das Aussprechen ein Annahmeprozess und ein selbstverständlicherer Umgang mit meiner Krankheit Alkoholismus entstanden war, erlebte ich es nun mit meinen Charaktereigenschaften und anderen Süchten. Durch das Darüber-Reden durfte ich mich Stück für Stück annehmen und auch erkennen und spüren, dass ich so nicht bleiben wollte, vor allem, dass es möglich ist, mit Gottes Hilfe suchtfreier zu werden.
Inzwischen habe ich viele Süchte kennen gelernt, bzw. sind sie mir bewusst geworden. Und Gott sei Dank bin ich den Großteil davon für heute wieder losgeworden. Inzwischen weiß ich, dass ich eine Suchtpersönlichkeit habe. Ein AA-Freund hatte mal im Meeting gesagt, dass er wohl auch auf Fußpilz süchtig werden könnte. So wie ich gebaut bin, kann ich mir auch vorstellen, dass ich alles suchtartig missbrauchen möchte, was sich gerade lohnend anbietet. Glücklicherweise habe ich in AA auch das Werkzeug des 10. Schrittes kennen gelernt. Ich habe immer wieder bemerkt, dass ich – wenn ich am Abend regelmäßig meinen 10. Schritt mache – diese Tendenz zur Ausuferung in allen möglichen Lebensbereichen entdecke. Aber eben durch die regelmäßige Anwendung des 10. Schrittes habe ich auch immer wieder erlebt, dass es mir nicht mehr möglich ist, so extrem in eine Suchtverlagerung zu gehen, wie früher. Wenn ich heute bemerke, irgendwo beginnt etwas zu schräg zu werden, weiß ich, dass ich möglichst bald mit einem Freund darüber sprechen werde. Das offene Reden über ein Suchtproblem hat mir bisher immer wieder geholfen, in diesen Bereichen gesünder zu werden. Nicht nur ich als Alkoholiker neige dazu, alles mögliche suchtartig zu missbrauchen. Ich habe schon Nichtalkoholiker kennen gelernt, die die selben Tendenzen aufweisen. Wenn es die Situation erfordert, passiert es immer wieder, dass ich im täglichen Leben über all meine Suchtprobleme offen rede. Manchmal schaue ich mir überrascht dabei zu, wie unbefangen und ehrlich ich inzwischen über vieles reden kann, wovon ich am Anfang meiner AA-Zeit überzeugt war, dass ich es mit ins Grab nehmen würde.
Oft darf ich einfach nur dankbar feststellen, wie beschenkt ich damit bin, unsere 12 Schritte bekommen zu haben, und wie viel freier ich durch sie geworden bin.

Habt eine wertvolle Zeit,
Christian, Alkoholiker, Österreich

 

Ich meine nicht nur die paar Euro,...

Ich hatte immer billig getrunken, billiges Zeug aus dem Supermarkt etc.. Trotzdem waren die üblichen 20,- ATS meiner täglichen Meetings als ich zu AA kam nur ein Bruchteil von dem, was ich sonst täglich für Alkohol ausgegeben hätte noch nicht mal eingerechnet die Zigaretten oder sonstige Drogen, die noch dazu kamen und um deren Erwerb ich mir auch schon einige Zeit keine Sorgen mehr machen muss. Anfangs warf ich meine ATS 20,- in den Hut, weil das alle machten. Doch schon bald bekam ich wieder genug Eigenverantwortung um zu verstehen: Wenn ich Brot will, gehe ich zum Bäcker und zahle dafür; wenn ich Meeting will, gehe ich in die Gruppe und zahle dafür. Um zu verstehen, dass Meetingskalender (Kontaktkarten), Kontaktstelle etc. auch für mich notwendig seien, dauerte es noch eine Weile. Aber ich hatte schon so weit Vertrauen in die Gruppen, dass ich überzeugt war, das Geld im Hut würde einem für AA nützlichen Zweck dienen. Als ich dann mal den Dienst des Kassiers übergeben bekam, erklärte mir es der Freund genauer, was mit dem Geld passiert: 3 Monatsmieten im Voraus sollten gedeckt sein, genug Literatur sollte da und bezahlt sein und alles, was dann noch übrig ist 2-3 Mal pro Jahr an die Region weiter überwiesen werden. Natürlich hörte ich auch von Gruppen, die Geld auf Sparbüchern horteten und es kursierten verschiedene Meinungen dazu in der AA-Landschaft. Von amerikanischen Freunden hörte ich mal: „Das Geld im Hut gehört der AA, die Gruppe nimmt sich nur ihren Teil für die laufenden Kosten.“ Solche klaren Worte kapierte sogar ich. Später als ich mal den Dienst des Regionalkassiers ausübte erkannte ich, dass es noch mehr Möglichkeiten gibt seine Dankbarkeit finanziell auszudrücken, als nur durch den Hut. Da gab’s Freunde, die hatten den Mut jeden Monat einen kleinen Betrag an die Regionalkassa zu überweisen, oder es trudelten immer wieder Geburtstagsspenden ein, wenn wieder mal jemand ein Jahr länger trocken war. In meine Dienstphase des Regionalkassiers fiel auch die Anmietung und Renovierung unserer neuen Kontaktstelle. Die Gesamtsumme der vorliegenden Kostenvoranschläge diverser Firmen machte cirka das 21/2-3fache dessen aus, was der Region damals für die Renovierung zur Verfügung stand. Wiederholte Spendenaufrufe zeigten langsam ein wenig Erfolg. Gleichzeitig hatten sich auch einige AA-Freunde gefunden um auch mit Hand anzulegen und auf diese Weise Geld zu bringen bzw. ihre Dankbarkeit auszudrücken. Eigenleistungen konnten mit Firmenleistungen sinnvoll kombiniert werden. Nach einigen Monaten war die neue Kontaktstelle fertig und es war noch immer genug Geld in der Kasse, um die laufenden Kosten zu begleichen. Es wurde auch darauf geachtet, alle vorhandenen Mittel möglichst sinnvoll und effektiv einzusetzen. Das kann ich in meinem täglichen Gruppenleben nach wie vor tun. Ich habe schon erlebt, dass Neue mit Info-Broschüren überhäuft wurden, mit denen sie – so glaube ich – herzlich wenig anzufangen wussten. Wenn heute ein Neuer zu uns reinkommt, frage ich zuerst, ob er gerne liest, und entsprechend seinem Bedürfnis stelle ich ein paar Infos zusammen. Falls er nach einigen Meetings mehr Interesse hat – die Literatur ist dann ja noch immer da. Diese Handlungsweise setzt allerdings voraus, dass ich mir die Mühe gemacht habe, unsere Broschüren zu lesen. Dann gelingt es wahrscheinlich eher, dem Neuen gezielt das anzubieten, was er braucht. Unsere Gruppe wurde 5 Jahre alt. Wir wollten eine Info veranstalten. Zuerst „feierten“ wir gruppenintern, d.h. wir bemühten uns um Freiwillige, die sich bereit erklärten, Kuchen und Brötchen zu produzieren bzw. Getränke mitzunehmen, und benachrichtigten die umliegenden Gruppen. Wir feierten ein Geburtstagsmeeting mit Essen und wesentlich mehr Freunden als sonst. Diese positive Auswirkung auf den Hut verwendeten wir gleich für eine Rundbriefaktion für Ärzte und sonstige in Frage kommende Stellen in der Gegend. Einer unserer AA-Freunde, der eine Druckerei hatte, drückte seine Dankbarkeit in Papierform aus. Für unser öffentliches Geburtstagsmeeting, das wir planten, teilten wir uns wieder die Arbeit auf: Einige machten Kuchen, andere die Aufstriche etc., jeder tat, was er konnte bzw. was ihm mit seinen Fähigkeiten möglich war. Nach einem Tag des Begegnens, Freuens und Teilens in Meetings rechneten wir ab und freuten uns, dass durch die vielen Spenden und wenigen Fremdkosten eine erhebliche Summe zum Weiterleiten an die Region verblieben war. Heute ist mir die AA immer noch sehr viel wert. Ich meine nicht nur die paar Euro, die mir eigentlich selbstverständlich sind. Glücklicherweise ist mir ja heute bewusst, dass viele Dinge meines täglichen Bedarfs Geld kosten und ich bin in der Lage, es auch zu bezahlen. Ich habe aber nicht vergessen, dass es auch bei mir eine Zeit brauchte, bis ich verstand, dass ich mehr als nur die Gruppe zum Überleben brauche. Es sind ja auch Kontaktstelle, Literatur, etc. und Dienste, die dies alles ermöglichen, notwendig. Als wir unsere neue Kontaktstelle renovierten, wurde mir so klar: Viele AA hatten mit etwas Geld noch mehr Mühe und noch viel mehr Gottvertrauen bewiesen, was ihnen die AA wert ist. Erstaunt und fasziniert erlebte ich, welche Kräfte und finanzielle Mittel Alkoholiker in Bewegung setzen, wenn sie etwas wirklich wollen und davon begeistert sind.
Ich denke mir heute, das gilt noch immer.

Habt eine wertvolle Zeit

Christian, Alkoholiker, Österreich

Endlich eine volle Werkzeugkiste

Blaues Buch, Seite 30: „Wenn also Menschen auf uns zugingen, deren Problem gelöst worden war, brauchten wir nur noch dieses einfache spirituelle Handwerkszeug aufzuheben, das sie uns vor die Füße gelegt haben. ….... und sind in eine neue Dimension unserer Existenz gelangt, …....“ So habe ich das für mich auch erlebt. Ich habe in den Meetings zugehört, zugeschaut und dieses Programm langsam kennen gelernt. Und nach und nach blieb mir nichts anderes mehr übrig, als es auszuprobieren. Mit meinen Ideen war ich gescheitert. Aber die Werkzeuge der AA funktionierten. Ich lernte so viele einfache Basics kennen. „Nur für heute“,„das Wichtigste zuerst, oder das „HALT“ (= hungrig, ärgerlich, einsam, müde). Solche Gedanken haben mir geholfen, meine Grundbedürfnisse wahr zu nehmen und zu lernen, mich zu versorgen. Oder solche Werkzeuge wie eine Dankbarkeitsliste. Am Anfang habe ich diese Idee als Zumutung empfunden, aber wie ich begonnen habe, diese Idee anzuwenden, hat sich meine Wahrnehmung geändert. Früher hatte ich einen starken Überhang, Dinge negativ zu erleben. Wenn an einem Tag 99 Dinge gut und eines schief gegangen waren, war automatisch der ganze Tag schwarz. Heute erlebe ich es eher umgekehrt: Egal, was passiert, sehr schnell darf ich das Positive daran erkennen. Schön langsam begann ich auch, mich mit den Schritten zu befassen. Ich begann, einen 3. Schritt auszuprobieren und kennen zu lernen. Ich verstand zwar nicht warum, aber es wurde mir leichter, wenn ich mir die Worte des 3. Schritten sagte oder mir dieses „dein Wille geschehe“ aus dem 12+12, Seite 39 bewusst machte. Lange Zeit habe ich die Inventur aus Angst vor mir hergeschoben. Ich lebte eher so diese Einstellung: Was man nicht beweisen kann, hat niemals statt gefunden. Aber nicht hinschauen ändert nicht die Realität, sondern macht das Heute krank. Inzwischen weiß ich, dass Schreiben Klarheit und Erleichterung bringt. Ich könnte und möchte es mir aus meinem Leben nicht mehr wegdenken. Schreiben macht es möglich, komplexe Situationen zu durchschauen. Ich bekam mehr Zugang zu Zusammenhängen und Gefühlen in meinem Inneren. Das Drüber-Reden im 5. Schritt entlastete mich und rückte vieles zurecht. Ich kann dadurch wahre Größenordnungen spüren, und gerade im Alltagsbetrieb ist der 5. Schritt ein wichtiges Werkzeug, wenn ich in einer Situation gerade nicht klar komme. Wenn ich zumindest mal ein paar Teile einer Geschichte habe und mit meinem Sponsor darüber rede, bekomme ich sicherlich ein paar gute Fragen gestellt, die mir weiter helfen. Ja, Sponsorschaft ist auch ein wichtiger Teil des AA-Programms, weil ich einfach einen lebendigen Menschen brauche, der mir vorlebt, dass das AA-Programm funktioniert und mich spirituell bei der Hand fasst und mitnimmt in die Genesung. Gerade auch bei den Wiedergutmachungsschritten 8 und 9 brauchte ich am Anfang schon den Mutmacher, der mir mit lebendigen Beispielen erzählte, wie durch Anwendung dieser beiden Schritte die 12 Versprechen Wirklichkeit geworden sind. Ich habe es dann nach und nach auch so erlebt und möchte dieses Werkzeug der Wiedergutmachungsliste und des Bereit-Werdens nicht missen. Es hat mir so viel innere Freiheit gebracht, und da, wo es mir dann nicht klar war, wie ich es umsetzen kann, waren Sponsorgespräche so wichtig, mehr Orientierung für ein weiteres Vorgehen zu erlangen.
Seit vielen Jahren verwende ich regelmäßig das Werkzeug des 10. Schrittes. Heute möchte ich in meinem Tag und in meinem Leben regelmäßig Stationen einbauen, um zur Ruhe zu kommen, zu schauen, was gerade los ist in meinem Leben. Das bringt mehr Überblick und Frieden. Ich möchte heute nicht mehr ohne dem allen auskommen müssen. Mit oder ohne 10. Schritt – beides probiert, kein Vergleich. Auch mit Gebet und Besinnung geht es mir so. Das gehört inzwischen zu meiner täglichen Grundversorgung, und mein Leben fühlt sich dadurch wohnlicher an. Einerseits nehme ich mir fixe Zeiten, die ich diesen Gedanken widme, andererseits bin ich ständig mit meinem Liebenden Gott am Plaudern. Der 12. Schritt ist ja Mein-Leben-nach-all-diesen-Schritten-ausrichten. Endlich habe ich mit dem Programm ein Wertesystem gefunden, das rüttelfest ist und funktioniert. Es hilft auch durch Krisen und Ausnahmezustände. Und wenn es dann ein Bedürfnis wird, diese Botschaft mit anderen zu teilen, entstehen die ersten Probleme mit den Mitmenschen in der AA-Gruppe oder sonst wo auf der Welt. Deshalb brauche ich für funktionierendes soziales Verhalten auch Erfahrungswerte. Das sind für mich die 12 Traditionen. Ohne die würde es bei mir auch nicht gehen. Es gibt ja bei uns in AA diesen Kreis mit dem Dreieck: Einigkeit – Genesung – Dienst. Schritte – Traditionen – Konzepte. Das alles verstehe ich unter „AA-Programm“. Eins bedingt das andere. Und wenn eines fehlt oder es zu unausgewogen wird, funktioniert es auch nicht. Nur Schritte ohne ein Gegenüber machen keinen Sinn. Es fehlt der wesentlichste Grund, nämlich für andere nützlich zu sein. Und nur Dienste ohne Bezug zum Noch-Leidenden werden ein Kopfkino, werden zum Selbstzweck. Bei unserem kompletten Programm brauche ich alle 3 ausgewogen. Ich stelle mir immer einen dreibeinigen Hocker vor. Die Schritte und die Genesung sind der erste Fuß, Sponsorschaft, Dienst der zweite, und die Traditionen, die die Einigkeit ermöglichen, der dritte. Und wenn dann die Füße nicht halbwegs gleich lang sind, fällt das Ganze um.

Habt eine wertvolle Zeit,
Christian, Alkoholiker, Österreich

 

 ,, Ich bin verantwortlich "

  • Alkohol in der Arbeitswelt
  • Anonym und doch bekannt
  • Aufbruch zu einen neuen Leben ohne Alkohol
  • Mit AA kann ich es schaffen
  • Hurra ich bin trocken was nun?
  • Bin ich ein Sponsor?
  • Inventur die Angst vor mir selbst
  • Meine Gruppe
  • Alkoholismus ist eine Familienkrankheit
  • Alkoholismus und andere Süchte
  • Die Höhere Macht und das was mich trocken hält
  • Schuldgefühle
  • Was bedeutet Verantwortung für mich?
  • Stärken und Schwächen Unvollkommenheit bei mir und bei anderen annehmen
  • Mut zur Veränderung
  • AA und Depressionen
  • Verantwortung für das eigene Leben
  • Durch Verantwortung trocken bleiben
  • Ändern was ich ändern kann
  • Trockenheit ist geschenkt - Nüchternheit ist zu erarbeiten
  • Nein sagen - Grenzen aufzeigen
  • Warum gerade ich?
  • Dankbarkeit - nur ein Wort
  • Dienen in AA
  • Meine Angst loslassen
  • Meeting: Sprechen lernte ich nur durch Sprechen
  • Gesunde Grenzen setzen - lernen mit Wiederstand umzugehen
  • Dinge die mich glücklich machen
  • Ich liebe dich, aber ich hasse deine Krankheit
  • Prinzipien über Personen
    Schritt für Schritt
  • Wenn Angst Seele frisst
  • Wie lange brauche ich AA?
  • AA in den Schulen
  • AA und die Oldtimer
  • Kein Lebenslanger Verzicht, sondern die Freiheit, das Leben zu genießen
  • Unser Programm Sprache des Herzens
  • Mein heutiges Problem
  • Rückfallbewältigung Der Tag danach
  • Aufhören sich selbst zu bekämpfen
  • Ich bin ( nur für mich ) verantwortlich
  • Nicht perfekt und doch ok
  • Freude und Humor nicht vergessen
  • Nähe und Distanz
  • Innere Unsicherheit und Zerrissenheit
  • Die da oben
  • Von Wahnsinn zum Frohsinn
  • Die Sehnsucht heil zu sein
  • Öffentlichkeitsarbeit in AA - wie geh ich damit um?
  • Brüche des Lebens ( Versagen - Scheidung - Tod - Familiendramen )
  • Kurz vor einem Rückfall
  • Was habe ich vom Dienst ( weitergeben im 12. Schritt )
  • Was hat mich im ersten Meeting überzeugt, bei AA zu bleiben?
  • Dienst warum gerade ich?
  • Wie sehe ich mich als teil der Gruppe?
  • Gehe ich regelmäßig zum Meeting?
  • Im Heute leben wie geht es mir selber dabei?
  • kontrolliertes Trinken gibt es nicht oder?
  • Muss ich mich schämen ein Alkoholiker zu sein?
  • Inventur halten wann war meine letzte Inventur?
  • Am Anfang hieß es Schritt für Schritt jetzt heißt es kapitulieren
  • Der Weg ist das Ziel wie geht es mir dabei?
  • Fundament: habe ich mein Haus auf einen guten Fundament gebaut
  • Unser Hauptzweck ist, nüchtern zu bleiben und anderen Alkoholikern zur Nüchternheit zu verhelfen.
  • Was ist mir AA überhaupt wert?
  • Die Botschaft der AA weitergeben
  • Stolpersteine nach langer Trockenheit
  • Gott gebe mir die Gelassenheit
  • ( Zu ) Frieden mit mir selbst
  • Kein innerer Friede ohne Ehrlichkeit
  • Wie gehe ich mit Charakterfehler um?
  • Öffentlichkeits - Information
  • Vom denken zum Tun
  • Dienen aus Dankbarkeit
  • Heute das erste Glas stehen lassen
  • Leben nicht nur überleben

 

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